Was kann man am Mountainbike selber reparieren und was sollte der Profi machen?

Jeder der ein Mountainbike hat, wird irgendwann einmal an den Punkt kommen, an dem er irgendetwas reparieren muss. Nicht jeder von uns hat die Zeit oder gar das Geld, das Mountainbike bei jedem Problem zum Service zu bringen. Zugegeben, ich bin kein Zweiradmechaniker und auch durch meinen beruflichen Werdegang, habe ich nicht die Fähigkeit größere Reparaturen oder Servicearbeiten an Federgabel oder Dämpfer zu absolvieren, erlernt. Aber ich denke, dass jeder eine Kette wechseln oder das Schaltwerk neu einstellen können sollte, wenn z. B. der Schaltzug gerissen ist. Damit man sich dann nicht unnötig ärgert und das Ganze auch einigermaßen zügig von statten geht, sollte man mit guten, aber wichtiger, mit dem richtigen Werkzeug, arbeiten.

Welche Reparaturen oder Servicearbeiten kann man also am Mountainbike selber machen? Wie gesagt, bin ich kein gelernter Handwerker, sondern Kaufmann. Dennoch gibt es die folgenden Reparaturen, die ich entweder schon gemacht habe oder machen würde:

  • Schlauch flicken bzw. tauschen
  • Reifen tauschen
  • Bremsbeläge tauschen
  • Bremssattel neu ausrichten (Bremse schleift)
  • Brems- und Schaltzüge und Bowdenzüge neu legen
  • Cockpit ausrichten
  • Gabel- und Dämpfersetup (hier ist nur der Luftdruck gemeint)
  • Schaltung einstellen
  • Scheibenbremse entlüften
  • allgemeine Bike-Pflege (Kette fetten usw.)
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Ballistol Universalöl

Was ich nicht machen würde, sind sämtliche Wartungs- und Servicearbeiten an der Federgabel oder am Dämpfer. Ich bin der Meinung, dass sollten Profis machen. Die Arbeiten halten schon genau, wenn man die Dichtungen an den Elementen wechselt oder dergleichen. Wenn man nicht wirkich fit ist und nicht das richtige Werkzeug hat, kann man hier mehr kaputt machen, als einem lieb ist. Ich habe selber zwar schon mal eine neue Gabel in mein Hardtail eingebaut, aber ich würde es unerfahren Mountainbikern trotzdem nicht empfehlen. Zum einen braucht man einen ordentlichen Rohrschneider um das Steuerrohr auf Länge zu bringen und zusätzlich benötigt man Spezialwerkzeug um den Steuersatz ordentlich auf das Steuerrohr zu pressen. Was ich ebenfalls nicht machen würde, ist Narben an Felgen tauschen oder gar Felgen komplett neu einspeichen. Damit sind zum einen höhere Investitionen nötig, aber auch viel Zeit, Ruhe und Geduld. Das Einspeichen von Felgen ist sehr zeitintensiv und hält sehr genau, da ein Höhen- oder Seitenschlag sofort spürbar sind und ein Sicherheitsrisiko birgen.

Werkzeuge für Mountainbiker

Ich wohne im Bergischen Land, welches neben Messern (Solingen) auch für Werkzeuge bekannt ist. Da ich auch schon selber vier Jahre bei einem großen, namhaften Werkzeughersteller aus Remscheid gearbeitet habe, weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Deshalb kann ich meine Erfahrungen mit euch nur teilen, dass man lieber ein paar Euro mehr für Werkzeug ausgeben sollte. Dann hat man meist etwas fürs Leben. Es gibt auch Werkzeuge für Mountainbiker, welches nicht so häufig zum Einsatz kommt, dann kann man sich auch für die günstigere Alternative entscheiden.img_4093-2 Es kommt immer drauf an, wie oft und für welchen Einsatz das Werkzeug benutzt werden soll. Sobald Kraft eine Rolle spielt, aber man das Werkzeug nicht häufig nutzt, sollte man trotzdem die Variante von namhaften Herstellern wählen, weil bei den günstigeren Varianten meist der Härteprozess nicht ausreichend, wenn überhaupt, durchlaufen wurde. So ist z. B. eine günstige Außensechskantnuss ganz schnell rund, wenn man hier mal den großen Hebel ansetzt. Man muss sich auch nicht alles auf einmal kaufen. Da gutes Werkzeug nun mal seinen Preis hat, ist damit auch eine kleine bis mittlere Investition verbunden. Ich selber habe auch noch nicht alles auf dem Stand, wie ich es gerne hätte. Das ein oder andere Spezialwerkzeug leihe ich mir von Freunden (noch), oder ich warte wirklich bis der Inbuss oder der Schraubendreher kaputt ist, bis ich mir einen neuen, besseren kaufe. Wundert euch also nicht, wenn auf den Bildern andere Werkzeuge abgebildet sind, wie ich im Folgenden empfehle.

Die Werkzeuge für Mountainbiker unterscheide ich in zwei Kategorien. Es gibt eine Grundausstattung an Werkzeugen, die man auch für den normalen Hausgebrauch benutzen kann und es gibt Spezialwerkzeug fürs Fahrrad, wie z. B. Kettennieter oder Innenlager-Werkzeug.

Zur Grundausstattung des Mountainbiker gehören:

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SKS Pumpe Supershort

Zusätzlich solltet ihr immer ein paar Kabelbinder und Handschuhe parat haben. Ich arbeite gerne mit den Einweghandschuhe, da diese die Finger vom z. B. Kettenfett sauber halten und immer noch ein gutes Gefühl in den Fingerspitzen ermöglichen. Nachteil bei der Einweghandschuhen ist ganz klar die Haltbarkeit. Es ist nicht unüblich, dass ich in einer Stunde zwei oder drei Handschuhe verbrauche, weil diese an den Schaltzügen, Kettenblättern oder anderen scharfen und spitzen Stellen kaputtreißen.

Wera Winkelschlüsselsatz
Wera Winkelschlüsselsatz

Die Handschuhe kosten jetzt kein Vermögen, aber je nach Anwendung kann sich das schon läppern. Da ich aber für mein anderes Hobby (Grillen), immer solche Handschuhe im Haus habe, benutze ich sie auch dafür. Wem das aber auf die Dauer zu teuer ist, oder wer mit den Handschuhen nicht zurechtkommt, dem kann ich die folgenden Montagehandschuhe empfehlen. Diese Latexhandschuhe halten wesentlich mehr aus und bieten dennoch ein gutes Gefühl bei einer zugleich hohen Abriebfestigkeit. Die Handschuhe liegen perfekt an und sind auch bei Nässe noch sehr griffig.

Wer sich nach kleineren Wartungs- oder Reparaturarbeiten auch mal an „größere“ Dinge herantraut, der braucht früher oder später ein gewisses Repertoire an Spezialwerkzeug für das Mountainbike. Unter anderem zählen dazu:

Für die Grundausstattung habe ich zwei verschiedene Versionen zusammengefasst. Wie bereits beschrieben, gibt die teurer Variante und die günstigere. Entscheidet selber, was ihr bereit seit auszugeben.

Des Weiteren brauchen wir natürlich eine Luftpumpe, wobei ich hier für die Werkstatt zu Hause, immer eine Standluftpumpe empfehlen kann. Allein wegen der Standsicherheit und der Druckanzeige sind die Standluftpumpe hier im Vorteil. Wenn bei dem Mountainbike nicht schon im Lieferumfang enthalten, solltet ihr euch eine Dämpferpumpe für die Federgabel bzw. den Hinterraddämpfer zulegen. Ein wirklich gutes Produkt ist, die Dämpferpumpe von RockShox.

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Dämpferpumpe

Habt ihr euch dafür entschieden mehrere Reparaturen zu machen, auch welches von größerem Umfang, empfehle ich euch dringend zu einem Montageständer. Die Montageständer sind nicht teuer, aber vereinfachen euch das Arbeiten am Mountainbike deutlich. Stellt euch mal vor ihr müsst das Schaltwerk einstellen und habt dafür keinen Montageständer. Dann müsst ihr mit einer Hand das Hinterrad hochheben, mit der anderen Hand die Kurbel drehen und zwischendurch immer wieder am Trigger drücken. Das ist zum einen sehr anstrengend und zum anderen umständlich. Nicht zu vergessen, macht ihr euch die Arbeit damit unnötig schwieriger. Präzises arbeiten sieht anders aus. Ich habe bereits einen Fahrradträger für die Anhängerkupplung von der Firma EUFAB. Den Montageständer aus selbige Hause kann ebenfalls mit ruhigen Gewissem empfehlen. Ruck zuck aufgebaut, kann man mühelos sein Mountainbike am Rahmen einspannen und loslegen.