Tubeless oder Schlauch?! Tubolito?!

Seit 2016 gibt es das junge Start-up Unternehmen aus Graz, Österreich, die einen völlig neuen Thermoplast Schlauch für den Mountainbike-Einsatz konzipiert haben. Gegründet wurde das Unternehmen letztes Jahr von Ákos Kertész und Christian Lembacher. Bei dem Tubolito-Schlauch handelt es sich um einen revolutionären Schlauch, bei dem das Besondere die Farbe ist. Der Tubolito-Schlauch ist nämlich orange und liefert damit ein Alleinstellungsmerkmal und verschafft sich dadurch und durch das orange Ventil den Wiedererkennungswert. Stopp! Das ist natürlich Quatsch, bzw. das ist nicht das revolutionäre an dem Schlauch, obwohl die Aspekte stimmen. Das Einzigartige an dem Schlauch ist, dass er nahtlos aus Thermoplast hergestellt wird und dadurch ca. 60% leichter als Kautschuk-Schläuche ist und dabei doppelt so robust ist. Es ist also nicht wie üblich so, dass leichter auch gleich fragiler bedeutet. Bei dem Tubolito Schlauch ist das Gegenteil der Fall. Er wiegt weniger und ist dabei stabiler. Grund genug, den Schlauch und dessen Eigenschaften zu testen. Deshalb habe ich die Gründer angeschrieben und um ein Testpaket für meine 26 Zoll „Rennmaschine“ gebeten. Auf meinem Canyon Nerve Fully fahre ich derzeit Tubeless und da ich im Moment mehr Kilometer mit dem Hardtail mache und dort den herkömmlichen Kautschuk Schlauch zum Vergleich noch fahre, hielt ich das Nox-Hardtail für das geeignetere Test-Bike.

Der Vorteil vom Kautschuk Schlauch ist, dass er im Vergleich zu den anderen Systemen (Tubeless oder z. B. Tubolito) günstiger ist. Ein Satz Schläuche kosten rund 15,-€. Zusätzlicher Vorteil ist die Lufthaltigkeit und generell die Zuverlässigkeit, die der Kautschuk Schlauch über die letzten Jahre hinweg entwickelt hat. Der Nachteil ist das Abrollverhalten und das zusätzliche Gewicht.

Gerade wer im Renn-Bereich unterwegs ist, schaut auf jedes Gramm. Für alldiejenigen könnte Tubeless oder der Tubolito Schlauch eine Alternative sein.

Vergleich im Packmaß: Der Tubolito Schlauch ist deutlich kleiner

Der Vorteil von Tubeless-Systeme ist das um ca. 300 gr. leichtere Gewicht des Laufradsatzes. Hinzu kommt durch die Dichtmilch eine bessere Pannensicherheit. Ein weiterer Vorteil bei Tubeless Reifen ist, dass man hier einen deutlich geringeren Luftdruck fahren kann, der gerade im unwegsamen Gelände von Vorteil sein kann. Hier ist der Faktor Grip wichtiger als das Gewicht. Nachteil ist, das man, wenn nicht schon vom Hersteller ausgestattet, seinen Laufradsatz auf Tubeless umrüsten muss. Das ist mit Kosten verbunden. Das Tubeless-Kit beispielsweise von Schwalbe kostet ca. 65,-€ UVP.

Schwalbe Tubeless Easy-Kit

Zusätzlich braucht man Reifen, die Tubeless-Ready sind. Wenn die vorhandenen Reifen, nicht für das Tubeless-System vorgesehen sind, dann muss noch mal zusätzlich in neue Reifen investiert werden. Hier schwanken die Preise stark je nach Größe, Breite, Profil und sonstiger Ausstattung. Nachteil des Tubeless-System ist mir nur einer bekannt. Tubeless hält nicht ewig, soll heißen, man muss von Zeit zu Zeit Tubeless-Milch in den Reifen nachschütten, weil die Milch im inneren aushärtet, ansonsten verliert man den Pannenschutz-Effekt, dass bei einem Einstich die Milch austreten kann und das Loch verschließt.

Der Tubolito-Schlauch hat sich zum Ziel gesetzt, die Vorteile vom Kautschuk-Schlauch und vom Tubeless-System zu verbinden. Das sind zum einen das gute Abrollverhalten und das geringe Gewicht. Der Tubo-MTB in 26“ wiegt sage und schreibe 77 gr und hat zudem ein Packmaß was genial ist.

65% leichter als der Kautschuk-Schlauch -> Tubolito

Alleine deshalb ist der Tubo-MTB ein Pflichtutensil für jeden MTB-Rucksack als Ersatz. Die Rolleigenschaften sollen ähnlich gut sein, wie bei einem Tubeless-System. Mit meinem Nox-Hardtail fahre überwiegend zur Arbeit. Die Strecke geht zu 90% über Asphalt, deshalb fahre ich hier meist einen höheren Reifendruck (ca. 35 psi). Damit versuche ich den Rollwiderstand so gering wie möglich zu halten.

Ein Kautschuk-Schlauch wiegt 202 gr

Den ersten Test der Thermoplast Schläuche von Tubolito habe ich mit selben Druck durchgeführt. Wenn ich jetzt behaupten würde, dass ich das geringe Gewicht der Laufräder bei der Beschleunigung spüre, haltet ihr mich wahrscheinlich für verrückt (300 gr bei beiden Rädern!), aber irgendwie war das Fahrgefühl ein anderes. Ich mag mich auch täuschen. Aber bei relativ hohem Luftdruck fahren und fühlen sich die Laufräder super an. Subjektiv rollen diese besser, als mit einem herkömmlichen Kautschuk-Schlauch. Also mit diesem Set-up bin ich absolut zufrieden und kann es bedenkenlos weiterempfehlen. Was mir jedoch negativ auffiel ist das Fahrverhalten bzw. die Fahreigenschaften bei niedrigem Luftdruck (ca. 20-25 psi).

Die Montage des Tubolito-Schlauch ist einfach und geht schnell, wie bei herkömmlichen Schläuchen

Eigentlich sollten hier die gleichen Fahreigenschaften wie bei Tubeless zu spüren sein. Jedoch kann ich das auf meinem Hardtail nicht bestätigen. Ich kann dieses Set-up auch nicht weiterempfehlen. Gerade der Vorderreifen fängt in Kurven sehr stark an zu „schwimmen“ was nicht nur ein unsicheres Gefühl vermittelt, sondern in besonders schnellen oder engen teilweise gefährlich war. Zur Verteidigung muss ich aber auch sagen, dass ich am Vorderrad mit dem Schwalbe Nobby Nic unterwegs bin (hinten Racing Ralph). Der Nobby Nic ist nicht unbedingt mein Favorit. Ich habe ihn nur noch drauf, weil er noch nicht runtergefahren ist. Aber der Reifen wandert im Winter in den Müll. Gerade im Gelände hat dieser Reifen (günstigste Ausstattung) seine Schwächen. Die Seitenstabilität ist wirklich schlecht und der Grip lässt manchmal Wünsche offen, aber auf Asphalt hatte ich mit üblichen Schläuchen und hohem Luftdruck keine Schwierigkeiten. Auch mit dem Tubolito Schlauch aus Thermoplast und einem Luftdruck von min. 35 psi fährt sich der Reifen super. Ich werde jetzt über den Herbst/Winter den Tubolito Thermoplast Schlauch weiter testen und in ca. 4-6 Wochen werden ich auf dem selben Rad mit Hilfe des Tubless-Kit von Schwalbe auf Tubeless umstellen um einen direkten Vergleich zu erhalten. Danach werde ich hier und u. U. auch wieder bei YouTube die Ergebnisse präsentieren.

Wiedererkennungswert: orangefarbenes Ventil -> Tubolito!

Die Tubolito Schläuche wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Die hier geschilderte Meinung ist ausschließlich meine eigene. Tubolito nimmt keinerlei Einfluss auf den Inhalt.