Den richtigen Mountainbike Helm finden

Wenn man wie ich viel auf dem Mountainbike sitzt oder gerade im Begriff ist, sich ein neues Hobby zu suchen und dabei auf das Mountainbiken kommt, stößt man auch irgendwann auf die Frage, was für einen Helm brauche und welchen Helm kaufe ich mir. An dieser Stelle möchte ich direkt darauf hinweisen, dass das keine vollständige Kaufberatung werden soll. Das könnte ich in der Komplexität gar nicht leisten. Ich möchte stattdessen an dieser Stelle eine Frage diskutieren, die mich in den letzten Monaten beschäftigt hat. Seit meinem Wiedereinstieg in die „Mountainbike – Karriere“ habe ich mir vor gut 6 Jahren einen Halbschalen Helm von Uvex gekauft. Damals war meine erste und ich glaube auch einzige Priorität: Der Helm darf nicht viel kosten (und die Farbe sollte einigermaßen passen). Da der Helm damals um die 40-50 €uro gekostet hat, habe ich direkt zugeschlagen und war auch bis Mitte diesen Jahres damit zufrieden. Da aber gerade in diesem Jahr und mit dem Erwerb meines Canyon Nerve AL sich meine Abfahrtsgeschwindigkeiten deutlich erhöht haben, habe ich mich entschlossen, das Thema Helm noch mal aufzunehmen und zu durchleuchten. Der Invest wurde dann entgültig freigegeben, als meine Frau die ersten Videos auf YouTube von mir gesehen hat. Sie hat zu mir nur gesagt: „Kauf dir mal einen anständigen Helm, du hast 2 Töchter und fährst mit so einer Nussschale durch die Gegend.“

Mountainbike Helm mit oder ohne Kinnschutz?

Giro Montara in schwarz

Seit dem Sommer habe ich also immer wieder regelmäßig die bekannten Online-Stores durchforstet auf der Suche nach der passenden Kopfbedeckung. Es war aber irgendwie nie das richtig dabei. Das Ganze ging dann bis zum Spätherbst. Durch meine Aktivitäten auf YouTube und durch das Gucken vieler Videos, auch aus Bikeparks, war für mich klar, dass ich in 2018 auch mal endlich einen Bikepark besuchen will. Da sowieso in vielen Bikeparks ein Fullface-Helm Pflicht ist, war klar dass auch diese Variante Einzug in mein Sortiment finden würde. Die für mich aber nun noch vielmehr quälende Frage war ab dann: „Kauf ich mir einen Enduro-Helm mit Kinnschutz oder einen Enduro-Helm und einen separaten Fullface-Helm?“

Enduro Helm: Giro Montara

Fullface oder Enduro-Helm?

Es gibt mittlerweile Testergebnisse, die besagen, dass Helme mit einem separaten Kinnschutz einen mittleren bis starken Aufprall kompensieren können. Die Sicherheit ist wichtigste Thema überhaupt. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass die Option mit separaten Kinnschutz funktionieren muss, ansonsten kann man sich so etwas auch sparen. Für mich ist aber auch klar, dass ich Bikepark nicht ausschließlich machen möchte und werde, allein weil ich kein geeignetes Bike dafür habe. Aber ich möchte gerne mal in Willingen und Winterberg die Flow-Lines fahren und dafür hätte ich gerne einen „Fullface-Helm“. Wenn ich jetzt jede Woche in einem Bikepark wäre, würde die Frage sich gar nicht stellen, aber ich fahre halt doch überwiegend mit dem Mountainbike zur Arbeit oder eben Touren. Und gerade bei Touren finde ich die Option gut, dass man den Kinnschutz im Rucksack dabei hat und bei Bedarf mal eben schnell montieren kann. Denn ich würde nie auf den Gedanken kommen, mir einen zweiten Helm mitzunehmen. Aus diesem Grund entschied ich mich für die Option 1: Helm mit separaten Kinnschutz. Relativ schnell haben sich für mich zwei Helme herauskristallisiert. Das ist zum einen der Bell Super 3R und der Uvex Switchblade. Beide Helme haben einen separaten Kinnschutz. Der Kinnschutz von Bell wird jeweils über einen Verschluss an der Seite und einem am Hinterkopf verschlossen. Bei diesem Helm gibt es drei Verschlüsse, die bei Bedarf geöffnet oder geschlossen werden müssen.

Die Montage ist nach etwas Übung relativ einfach. Anfangs hatte ich Probleme die seitlichen Verschlüsse des Bell Super 3R richtig zu positionieren, aber mit etwas Übung ist das schnell möglich. Ich glaube, dass es später sogar möglich ist, den Kinnschutz auch ohne Absetzten des Helmes anbringen zu können. Der Vorteil vom Bell Super 3R ist der im Moment relativ günstige Preis von ca. 210 € (schwarz, Größe M). Dieser Helm verfügt zusätzlich über das MIPS-System, was zusätzlichen Schutz bietet. Des Weiteren ist der Helm gut belüftet und der wesentliche Unterschied, neben dem Verschlusssystem zum Giro ist, dass ohne den Kinnschutz die Ohren des Helm-Trägers offen liegen. Der Nachteil des Bell Super 3R aus meiner Sicht ist sein Design. Mir gefällt der Helm nicht zu 100%. Optik ist nicht der entscheidende Faktor, aber wenn man die Wahl hat, braucht man keine Kompromisse eingehen. Der Helm ist für mich einfach zu rund und sieht bei mir aus, als ob ich einen Militärhelm auf hätte. Darüber hinaus finde ich den Tragekomfort nicht optimal. Selbst mein günstiger Uvex hat sich nur beim Aufsetzten bequemer angefühlt wieder Bell Super 3R.

Giro Montara mit MIPS System

Der Giro Switchblade ist an sich ein erstklassiger Helm. Die Verarbeitung ist hervorragend und beim ersten Anfassen merkt man sofort, warum der Helm fast 100€ teurer (schwarz, Größe M) ist als der Bell Super 3R. Anfangen bei einer viel umfangreicheren und durchdachteren Polsterung, macht auch die Stabilität einen deutlich besseren Eindruck. Zusätzlich verfügt der Helm über einen „doppel D“ Verschluss, den man sonst nur von hochwertigen Fullface-Helmen kennt. Der Kinnschutz wird über zwei „Haken“ eingehakt und durch runterklappen verriegelt. Zum Öffnen drückt man mit den beiden Daumen die beiden Knöpfe unterhalb des Kinnschutzes. Durch hochklappen und wegziehen kann der Kinnschutz relativ einfach ein- und ausgehangen werden. Die Form des Giro Switchblade ist etwas kantiger was mir persönlich besser gefällt. Im Lieferumfang sind zwei Visiere enthalten, eines mit POV und eines ohne, praktisch. Der Bell Super 3R hat übrigens auf dem Helm ebenfalls eine Befestigungsmöglichkeit für eine Aktionkamera. Der Giro Switchblade ist sehr bequem, wenn man einmal drin ist. Bei diesem Helm ist sogar der Verschluss gepolstert. Der Helm ist jedoch beim an- und ausziehen etwas eng, so dass ich beim Testen relativ schnell rote Ohren bekommen habe, weil in diesem Bereich der Helm für mich zu eng war. Beide Helme können über ein Stellrad am Hinterkopf im Umfang angepasst werden. Dadurch hat man die Möglichkeit die Größe an den eigenen Kopf anzupassen. Der Grund warum ich den Switchblade wieder zurück geschickt habe ist, dass er ohne Kinnschutz einfach „zu viel Helm“ war. Ich hoffe ihr versteht mich jetzt nicht falsch, aber bei diesem Helm sind z. B. ohne den Kinnschutz die Ohren immer noch unterm Helm „versteckt“. Als „Enduro-Version“ sieht dieser Helm immer noch aus wie ein Motorrad-Helm und es war schon bei Zimmertemperatur sehr warm unter dem Helm. Ok, zugegeben, es gab durch den Fahrtwind keine Belüftung, aber ich fand es im Vergleich bei gleichen Bedingungen zum Bell Super 3R um einiges wärmer (subjektiv). Die Vorstellung mit dem Helm im Hochsommer zu fahren, waren mir zu wider.

Giro Montara!

Giro Montara

Also bin ich letzten Endes zu dem Entschluss gekommen, mir zwei Helme zu kaufen. Einen reinen Enduro Helm und einen reinen Fullface Helm. Den Fullface Helm suche ich noch, wobei mir z. B. ein Fox Rampage ganz gut gefällt. Diese Entscheidung habe ich aber auf 2018 vertagt. Als Enduro Helm habe ich mir jetzt erstmal einen Giro Montaro MIPS gekauft mit dem ich sehr zufrieden bin. Einen ausführlichen Testbericht zum Giro Montaro MIPS wird es nach ausgiebigen Testen hier auf meiner Seite geben.