3- Täler Marathon in Titmaringhausen am 2. September 2017

Das 2. Rennen in 2017 brachte mich und mein Nox-Hardtail in das Herz des Sauerlandes. Die Fahrt sollte Samstagsmorgen um 05:30 Uhr losgehen. Ich saß mit vier Minuten Verspätung im Auto. Der Tag hat dunkel, nass und kalt begonnen. Es sollten nicht die letzten Unannehmlichkeiten an diesem Samstag werden.

So fuhr ich also von zu Hause los und kam alsbald auf die A1 Richtung Hagen. Der Verkehrsfunk war an diesem Samstagmorgen noch völlig ruhig und unbedenklich. In Unna wechselte ich auf die A44 und wenig später in Werl auf die A445. Das Wetter war noch immer bescheiden und obwohl die Sonne langsam aufging wurde es, verständlich, noch nicht viel wärmer. In Neheim wird die A445 zur A46 die ihr vorläufiges Ende in Bestwig hat. Danach fährt man noch ca. 42 km über die Landstraße und mitten durch das Sauerland. Vorbei an Willingen zur linken und Winterberg zur rechten fährt man immer weiter geradeaus, bis man in das beschauliche aber schöne Titmaringhausen kommt. Bereits am Ortseingang wurde man von freundlichen Ordnern empfangen, die einem freundlich mit einem Fingerzeig den Weg zum großen öffentlichen Parkplatz für die Rennfahrer gezeigt haben. Um 07:38 Uhr habe ich mein Auto als zweiter auf der großen Wiese abgestellt. Das sollte der einzige Podiumsplatz für den Samstag bleiben. Direkt beim Öffnen der Wagentür schoßen mir die Liedzeile des Sauerlandliedes von Zoff in den Kopf: „Wo die Misthaufen qualmen, da gibt’s keine Palmen. Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland,…“Es war war zwar noch trocken, aber man wusste direkt, dass es entweder in der Nacht geregnet hat oder das es noch mal regnen wird. Jedenfalls haben wohl alle Landwirte in der Umgebung ihre Felder gedüngt. Dieser herrliche Duft lag in der Luft und so machte ich mich auf zum örtlichen Schützenhaus, wo es die Startnummern und die Startertüte gab. Der Ort war noch völlig verschlafen. Nur vereinzelt liefen einige Freiwillige und Organisatoren umher. Das Schützenhaus war bis auf die Helfer noch leer. Deshalb brauchte ich auch gar nicht lange auf meine Startnummer, Startertüte und den 1. Kaffee des Tages warten. Zu meiner Überraschung lag ein leckeres Müsli der Startertüte bei, welches ich dann noch in der Schützenhalle samt Kaffee vertilgte. Nach dem kleinen Frühstück ging es erst einmal wieder zurück zum Auto. Da ich noch eine Schüssel mit Nudeln hatte, gab es diese auch noch, um auch noch die restlichen Speicher mit Kohlenhydrate zu füllen. Die restliche Zeit habe ich damit verbracht, die Startertüte zu durchforsten. Unter anderem habe ich dort noch eine Tüte mit Magnesiumcitrat zum Auflösen in Wasser gefunden. Auch das habe ich mir kurzerhand aufgelöst und mit den letzten Nudeln runtergespült. Es sollte alles nichts helfen, wie sich wenig später herausstellen sollte. Da das Rennen um 10:30 beginnen sollte, habe ich mich um kurz nach neun umgezogen und habe mein Nox-Hardtail vom Fahrradträger genommen.

Nach wie vor war es trocken in Titmaringhausen. Die Temperatur lag bei ca. 12°C. Um 09:30 bin ich ein kleines Warm-up von ca. 10 km mit 260hm gefahren. Dabei bin ich den ersten Anstieg der Einführungsrunde abgefahren wo ich schon gemerkt habe, dass es sich hier im Sauerland um andere Anstiege handelt wie im Bergischen Land. Ich bin zwar aus meinen Urlauben am Lago Maggiore und Gardasee längere Anstiege auch von mehreren Kilometern gewohnt, jedoch ist so etwas unter Wettkampfbedingungen noch mal was anderes.

Die letzten 15 Minuten bis zum Rennen habe ich damit begonnen, mich warm zu halten und mich unterzustellen, denn es hatte angefangen zu regnen. Na toll!

Der 3-Täler Marathon in Titmaringhausen bietet drei unterschiedliche Streckenlängen an:

  • Kurzstrecke 38 km mit 894 hm
  • Mittelstrecke 70 km mit 1.631 hm
  • Langstrecke 101 km mit 2.368

Da ich in meiner jungen Karriere noch nicht viele Rennen gefahren bin und ich das Sauerland von seinen Strecken noch nicht kannte, habe ich mich bewusst für die Kurzstrecke entschieden.

Das Rennen fing mit einer Verspätung von vier Minuten an. Die Lang- und Mittelstrecken-Fahrer wurden bereits mit einem Vorsprung von 15 Minuten auf die Strecke gelassen und kamen teilweise schon durch die Einführungsrunde an Start-Ziel vorbei. Da ich keine Ambitionen auf den Sieg hatte, habe ich mich in der Startaufstellung in das hintere Drittel gestellt. Nach dem die Schützen mit einem lauten Donnerschlag das Rennen freigegeben hatten, sollte der wilde Ritt durch das Sauerland beginnen. Die Einführungsrunde war 6,5 km lang und bot direkt nach dem Start den 1. Anstieg. Diesen Anstieg habe ich noch ordentlich bezwungen. Ich konnte mit dem Hauptfeld ganz gut mithalten und habe auch ein halbes Dutzend Fahrer überholt. Was noch bei meinen ersten Rennen meine Schwäche war, Abfahrt, sollte sich bei diesem Rennen als eine der wenigen Stärken herauskristallisieren. Trotz meines 26“ Nox-Hardtail und einer Rock Shox Sid Team mit 80mm Federweg, habe ich in den letzten 12 Monaten meine Fahrtechnik und Sicherheit soweit verbessert, dass ich auf den Abfahrten immer wieder Meter zu meinen Mitstreitern gut machen konnte. Jedoch musste ich entweder aufgrund fehlender Kondition oder eben wegen fehlenden 3 Zoll Radumfang feststellen, dass ich im flachen Gelände zu den 29er Hardtails immer wieder an Boden verliere. Das ist gerade deshalb frustrierend und mental belastend, weil man am Berg sich mühevoll an den vorausfahrenden ran kämpft um dann die gewonnen Meter im flachen Teil der Strecke sofort wieder zu verlieren. Das macht es doppelt schwer, sein eigenes Tempo zu fahren, weil man nicht wahrhaben will, dass man erst den Abstand verringert und dann im selben Zuge diesen sofort wieder verliert sobald es flach wird.

Diesem Kampf konnte ich dann ca. 21 km standhalten, in dem ich an eine Dame von Team Burn Baby immer wieder ran kam und wieder ziehen lassen musste. Aber eben nach gut 2/3 der Renndistanz musste ich die Dame ziehen lassen. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir auch klar, dass ich körperlich nicht in der Verfassung war, wie ich es mir erhofft hatte. Körperlich und moralisch habe ich die Strecke unterschätz. Denn gerade in der ersten Rennhälfte klettert man über mehr als die Hälfte der Höhenmeter. Bei Kilometer 25,5 fängt dann der letzte lange Anstieg von ca. 4 km und 250 Höhenmetern an. Spätestens ab da, habe ich gemerkt, dass das einzige Ziel an dem heutigen Tage war, nicht vom Kehrwagen aufgesammelt zu werden. Die letzten 10 km waren ein Kampf. Immer mehr Fahrer, sowohl von der Kurzstrecke, als auch von den beiden anderen Disziplinen haben mich nach und nach eingeholt.

Bei Kilometer 34 und einem Anstieg von ca. 150 Metern habe ich dann den ersten ordentlichen Krampf in beiden Oberschenkeln bekommen. Die Muskeln haben soweit zugemacht, dass ich vom Bike steigen musste. Ich war für ca. 60 Sekunden nicht in der Lage auch nur irgendwas zu machen. Nach ca. 2 Minuten ließen die Schmerzen soweit nach, dass ich der Meinung war, dass ich weiterfahren konnte. Da es nur noch wenige Meter zur Kuppel waren, schob ich mein Bike dort hoch und schwang mich wieder auf den Sattel. Ein Fehler, wie sich nach 50 Metern Abfahrt herausstellen sollte. Die Krämpfe fingen wieder an und ich konnte mit den Schuhen nicht in den Pedalen bleiben. Also musste ich wieder runter und die Krämpfe solange herausdehnen und klopfen, bis sie tatsächlich vorüber waren. Die beiden Streckenposten, die mich dabei beobachteten, waren sichtlich irritiert, weil ich gefühlt, minutenlang nichts sagen konnte. Am Ende waren die beiden genauso froh wie ich, dass ich weiterfahren konnte. Es folgte also die letzte Abfahrt mit ca. 4 km bis dann 500 Meter vor dem Ziel der letzte kleine Anstieg von guten 300 Metern kam, wo sowohl Oberschenkel als auch wieder die Waden sich bemerkbar machten. Ich schaltete also in den kleinsten Gang und schwor mir, nicht wieder abzusteigen. Ich bis also auf die Zähne und strampelte bis ich endlich oben war, danach ging es leicht bergab über eine Wiese und auf den Fußballplatz wo sich das Ziel befand. Als ich durch den Torbogen vor, hörte ich nur noch über die Lautsprecher „und es kommt doch noch einer…“. Das gab mir den Rest, die letzten Krämpfe für den heutigen Tag sollten im Zielbereich nicht lange auf sich warten lassen.

Nach qualvollen Minuten hatte ich es bis zum BMC Stand geschafft um mir ein wohlverdientes alkoholfreies Radler zu gönnen. Danach ging alles sehr schnell. Ich bin wieder zum Auto geradelt. Habe mich umgezogen und das Rad wieder aufgeladen, Navi gestartet und nach Hause gebraust, ohne Stau und ohne Stress. Nachmittags um 15:45 Uhr war ich wieder glücklich und trotz allem zufrieden zu Hause. Auch wenn das Ergebnis nicht gut war, war ich trotzdem froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Die Strecke und das Sauerland sind sehr schön. Die Atmosphäre war klasse und fair. Der 3-Täler Marathon in Titmaringhausen ist immer eine Reise wert. Ich hoffe, dass ich auch in 2018 an dem Marathon teilnehmen kann.

Wer das Ganze auch noch mal im VLOG sehen möchte, sollte mal auf meinen Youtube-Kanal vorbei schauen.