No Risk no fun – Was man über Protektorenrucksäcke wissen muss!

Noch sind unsere Trails frei von Laub, gut einsehbar und kaum matschig. Aber die Zeit wird kommen, wo der Untergrund in den Wäldern aufweicht und durch nasses Laub fitschig wird. Spätestens dann steigt auch wieder das Unfallrisiko auf dem Mountainbike. Das soll natürlich nicht heißen, dass man in anderen Jahreszeiten oder bei anderen Bedingungen nicht stürzen kann, aber ich kenn es aus eigener Erfahrung, dass ich gerade im Herbst und Winter öfter über den Lenker hüpfe, als mir lieb ist.

Viele von uns kennen das Motto: „No risk no fun“ und denken am Start eines Bikeparktrails auch nicht daran, dass man gleich stürzen könnte. Grundsätzlich sollte man sich auch nicht verrückt machen und vor einem Sturz „Angst“ haben. Das wäre die falsche Einstellung. Eine gesunde Portion Respekt vor dem Sport und möglichen Folgen, sollte man dennoch haben. Zusätzlich sollte man seine Fähigkeiten und die des Bikes richtig einschätzen und einsetzten und nicht über die Verhältnisse fahren. Rücksicht auf andere nehmen ist ein ebenso wichtiger Bestandteil wie die Wahrung der Verkehrsregeln, wenn man z. B. auf Transferstrecken die öffentlichen Straßen benutzen muss.

Sicherheit, in dem Fall Protektoren (Protektorenrucksäcke), wird ein immer wichtiger Faktor. Das haben auch die bekannten Hersteller erkannt und fluten den Markt mit immer neueren Produkten und Innovationen. Es wird viel Geld in die Entwicklung dieser Protektoren investiert um den Sport sicherer zu machen. Ich kann mich noch gut an mein erstes Mountainbike (24“ Stahlrahmen in neon gelb) erinnern. Natürlich gab es mit dies Rad auch meinen ersten Helm. Zwar ebenfalls in neon gelb aber potthässlich. Ich habe dieses Ding gehasst. Auf dem eigenen Garagenhof, wo meine Eltern mich über den Balkon sehen konnten, habe ich den Helm immer getragen. Aber sobald es mit den Freunden in den Wald ging, habe ich den Helm in meinen Rucksack gesteckt. Ich sah einfach bescheuert aus und wollte nicht damit gesehen werden. Heute ist das Gott sei Dank anders. Ich fahre nur noch mit Helm, auch weil ich vernünftiger geworden bin, mehr aber, weil die Helme heutzutage gut bis sehr gut aussehen. Mein Motte heute: „Oben ohne? Nein danke!“ Die Schutzfunktionen und deren Berechtigung muss ich hier nicht weiter vertiefen, die sollten klar sein.

Was jedoch nicht jedem klar ist, bzw. was man schnell vergisst oder verdrängt ist (mich eingeschlossen), dass ein Protektorenrucksack nicht jede Form des Sturzes schützen bzw. mildern kann. Will sagen, es gibt Stürze bei denen eine große Menge des Aufpralls von einem Protektorenrucksack gesenkt werden kann, aber leider gibt es auch eine Reihe anderer Möglichkeiten, vor denen ein Protektorenrucksack und auch sonst nichts anderes schützen kann. Es ist also wichtig zu wissen, dass der Protektorenrucksack keine „Ich komm aus dem Krankenhaus frei“ Karte ist. Hinzu kommt, dass gerade die schweren Unfälle im Halswirbelbereich (Folge Brüche und Querschnittslähmung) nicht durch einen Rucksack vermieden werden können! Dagegen gibt es keinen Schutz (Dr. Josef Obrist, Chirurg in Salzburg, Bike-Ausgabe 09/2018)! Ich finde, dass muss man wissen. Es gibt viele die glauben, dass man mit dem Tragen von Protektoren „unsterblich“ ist. Das Gegenteil ist der Fall.

Test Protektorenrucksack – Bike 09/2018

Es gibt aber auch Situationen in denen Protektorenrucksäcke vor schlimmeren bewahren. Wenn ihr z. B. mit dem Rücken genau auf den Rucksack landet, kann die Polsterung oder Platte in dem Rucksack verhindern, dass sich Gegenstände aus dem Rucksack in deinen Rücken bohren. Der Kraft des Aufpralls wird bis auf ca. 2% der ursprünglichen Kraft reduziert (Testresultat Bike 09/2018, S. 70). So verhindert ein Protektorenrucksack z. B. dass die empfindlichen Dornfortsätze bei einem Sturz nicht brechen. Im übrigen hat der Test ergeben, dass ein normaler Rucksack mit einer halb gefüllten Trinkblase und einer Daunenjacke bessere Werte aufzeigt wie ein Protektorenrucksack. Da man Rückenplatten auch nachrüsten kann, empfiehlt sich hier der Kauf des günstigeren Zubehörs, um die Schutzfunktion eines konventionellen Rucksackes auszunutzen.

Wer also mit dem Gedanken spielt sich einen neuen Rucksack zu kaufen, sollte einen Protektorenrucksack nehmen. Auch wenn nicht alle Verletzungen damit vermieden oder reduziert werden können, sollte man jede Schutzfunktion ausreizen. Wer bereits einen Rucksack hat, kann diesen mittels Rückenplatte günstig aufwerten. Denn denkt immer daran: „Haben ist besser als brauchen!“ In dem Sinne Ride on, bleibt gesund!

Für weitere Informationen empfehle ich euch die aktuelle Ausgabe bike 09/2018 oder schaut auf der Homepage nach.

(Ich erhalte bike und EMTB als Freiabo aus dem Delius Klasing Verlag. Der hier veröffentliche Text ist ausschließlich meine Meinung)