Wer baut das schnellste Racefully? – Mein Kommentar

Wer, wie ich, an seiner max. körperliche Leistungsgrenze angekommen ist, sucht zwangsläufig nach Verbesserungen am Material (natürlich nur Spaß :-)). Wem schnell nicht schnell genug ist, der braucht das schnellste Racefully der Welt. Was liegt da ferner sich an den Cross-Country Worldcup Bikes zu orientieren? Nichts!
In der aktuellen „bike“ 08/2018 wird genau dieses Thema von den Redakteuren Stefan Loibl und Ludwig Döhl unter die Lupe genommen. Was für mich und wahrscheinlich viele andere, auf ewig ein Traum bleiben wird, eines dieser Fahrräder zu fahren, ist es doch immer wieder eine Freude für einige Minuten in die Illusion abzutauchen, auch ein Teil dieses schnellen und faszinierenden Renn-Zirkus zu sein. Die Kombination aus fein erlesenen Komponenten und ultraleichten Carbon-Rahmen in Verbindung mit einem optimal abgestimmt Fahrwerk und passenden Laufrädern, liest sich in dem Artikel wie ein Gedicht. Wer, wie ich, schon die diversen Räder über Konfiguratoren zusammengestellt hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Preise der Raceboliden sind jedoch so gesalzen, dass man(n) die 6.199€ für das Scott Spark RC 900 WC (günstigstes im Testvergleich) oder die 11.300€ für das Thömus Lightrider CT Trail XTR (teuerste im Testvergleich) als Hobbyfahrer wohl kaum von seiner Frau (respektive Mann) genehmigt bekommt. Da kann die Akzeptanz für das eigene Hobby noch so groß sein, aber irgendwann und irgendwo werden einem die Grenzen aufgezeigt. Der Traum platzt spätestens all abendlich auf der Couch, wenn wir gar nicht merken, wie wir in Trance, den Zustand auf solch einem Boliden sitzend, beschreiben, und ein Weltcup-Rennen in Nové Město gewinnen. Der Moment als die Frau sagt: „Jetzt spinnst du aber total! Bring lieber mal den Müll nach draußen!“, holt uns wieder zurück ins hier und jetzt. Wir werden wehmütig und akzeptieren die Niederlage. Aber es war schön für wenige Minuten ein Teil Nino Schurter und Co. gewesen zu sein…Schluss der Träumerei.

Testergebnis – schnellste Racefully – bike 08/2018

Nüchtern betrachtet, basierend auf ZDF’s (Zahlen, Daten, Fakten) der aktuellen Ausgabe „bike“ 08/2018, ist von den sieben getesteten XC-Rädern, dass Canyon Lux das schnellste Bike, dicht gefolgt von dem Specialized S-Works Epic XX1 und dem Cannondale Scalpel SI. Zugegeben ich trage meistens eine Canyon-Brille, weil ich selber ein 2016er Nerve habe, aber das aktuelle Canyon Lux CF SL Team Replica wäre auch meine erste Wahl. Auch in diesem Test erreicht das Canyon wieder unschlagbare Werte.

Canyon Lux CF SL Team Replica

Mit einer soliden Uphill-Performance, guter Downhill-Leistung und einer soliden sonstigen Wertung schafft es das Canyon auf den ersten Platz. Natürlich sind das Specialized oder das Cannondale nicht weniger schlecht und ich frage mich bei solchen objektiven Test auch immer, ob ich überhaupt einen großen Unterschied merken würde, aber trotzdem, objektive, teils unter Laborbedingungen, Unterschiede sind festzustellen. Das Specialized hat von den getesteten Cross-Country Racern z. B. die beste bergauf Performance. Zu verdanken ist das zum einen der sehr leichten Laufräder und dem Rahmen, aber auch dem cleveren Brain-System, welches den Unterschied zwischen z. B. Wiegetritt und Schlägen von unten unterscheiden kann. Das verhindert, dass das Fahrwerk bei einem Wiegetritt mit wippt.

Specialized S-Works Epic XX1

Eine gute Uphill-Performance ist auf einem XC-Kurs ebenso wichtig wie die Fähigkeit beim Downhill die Spur zu halten und schnelle Richtungswechsel zu vollziehen. In dieser Kategorie hat das Spezialized S-Works Epic XX1 vor dem Focus 01E Max Team und dem Canyon Lux abgeschnitten. Wichtigster Punkt bei beiden Kategorien ist immer das Fahrverhalten der Bikes im jeweiligen Terrain. Dieser Punkt lässt sich kaum im Labor testen oder bewerten und dadurch ist es meist ein subjektiver Eindruck. Aber in meinen Augen auch der Entscheidene. Man(n) muss sich einfach wohl und sicher fühlen, wenn man Wurzelpassage rauf- und Steinfelder runterfährt.

Cannondale Scalpel SI

Die beste Steifigkeit oder schnellste Beschleunigung bringt einem nichts, wenn man sich unwohl fühlt. Ich will jetzt nicht sagen, dass man mit seinem Bike eins werden muss, aber es sollte schon harmonieren. Das Gefühl, ob man sich sicher fühlt, wird einem relativ schnell auf einer Testfahrt bewusst. Für mich ist dieser Punkt am wichtigsten. Ob es dann immer ein Racer im hohen vierstelligen Bereich sein muss, ist fraglich, gerade dann wenn man Biken nur als Hobby ansieht. Denn je teurer ein Bike, desto teuer auch die Verschleißteile die in kürzeren Zyklen ersetzt werden müssen. Wie immer im Leben stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage. Aber schön sind die Cross-Country Boliden trotzdem und ich würde lügen, wenn ich nicht mal Lust darauf hätte, damit meine Hometrails zu beackern. In dem Sinne, Ride on, stay healthy.

(Ich erhalte bike und EMTB als Freiabo aus dem Delius Klasing Verlag. Der hier veröffentliche Text ist ausschließlich meine Meinung)